Masterplan Umwelt und Gesundheit NRW

Der umweltbezogene Gesundheitsschutz hat in Nordrhein-Westfalen seit langem eine hohe Bedeutung. Die Zusammenhänge zwischen Umwelteinflüssen und Gesundheitsbeeinträchtigungen sind hinreichend belegt. Darüber hinaus ist eine sozialräumliche Ungleichverteilung von Umweltbelastungen/-ressourcen und daraus resultierende Gesundheitsbelastung nachgewiesen. Es gilt, die hohe Industrie- und Verkehrsdichte im bevölkerungsreichsten Bundesland in Einklang zu bringen mit dem Anspruch der Menschen auf hohe Lebensqualität und Gesundheit sowie dem Erfordernis, wirtschaftliche Standortqualität zu erhalten und zu fördern. Damit wird auch ein Beitrag zur Qualität des Wirtschaftsstandortes geleistet. Dies erfordert ein konzeptionelles und fachübergreifendes Handeln für einen besseren umweltbezogenen Gesundheitsschutz.

Resultierend aus einem Auftrag des damaligen Landeskabinetts (2013) wurde das Konzept für einen umweltbezogenen Gesundheitsschutz in NRW erarbeitet und als landesweiter „Masterplan Umwelt und Gesundheit NRW“ in 2016 verabschiedet.

Die Erarbeitung des Masterplans wurde von einer ressort- und fachübergreifenden Koordinierungsgruppe begleitet. Neben den Fachressorts wie Gesundheit, Soziales, Wirtschaft, Stadtplanung, Verkehr, Familie/Sport und Schule, dem Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz haben Vertreterinnen und Vertreter der Kommunen, der Wirtschaft, der Umweltverbände, Patientenbeauftragte, der Verbraucherinnen und Verbraucher und der Wissenschaft an dem Prozess mitgewirkt.

Der vorliegende Masterplan Umwelt und Gesundheit NRW ist ein integriertes Handlungskonzept, das primär an das behördliche Verwaltungshandeln gerichtet ist. Der Masterplan beschreibt Handlungsfelder, mit ihm werden Handlungsempfehlungen erarbeitet, sowie Strukturen und Prozesse entwickelt und geschaffen, die zu einer Verbesserung des umweltbezogenen Gesundheitsschutzes führen sollen. Dabei zielt er in erster Linie auf Verhältnisprävention, d.h. auf die Schaffung von Rahmenbedingungen für gesunde Umwelt- und Lebensverhältnisse der Menschen. Individuelle Verhaltensweisen stehen nicht im Vordergrund.

„Umwelt und Gesundheit“ ist ein sehr breites Themenspektrum, dazu zählen beispielsweise auch Belastungen des Menschen durch Umweltschadstoffe, Lärm, Emissionen aus Industrie- oder Tierhaltungsanlagen und deren Auswirkung auf die menschliche Gesundheit. Darüber hinaus gehören die sozialen Aspekte der Umweltpolitik – die ungleiche Verteilung von Umweltbelastungen und Umweltressourcen - zu den Schwerpunkten des Masterplans. Themen, die bereits in der Vergangenheit unter APUG NRW betrachtet wurden, wie beispielsweise „Gesundes Wohnen“ oder „Verkehr und Gesundheit“ sind nach wie vor aktuell.

Im vorliegenden Masterplan erfolgte eine Auswahl von Querschnitts- und Fachthemen in Hinblick auf die Fragestellungen, bei denen ein ressort- und /oder fachübergreifender Ansatz zu einem Mehrwert gegenüber Einzelaktivitäten der jeweiligen Ressorts bzw. Fachdisziplinen für Umwelt und Gesundheit führt. Weiteres Kriterium war der Aspekt, wie eine Integration der Themen Umwelt, Gesundheit und Soziales zeitnah möglich ist. Berücksichtigt wurde auch, inwieweit Themen bereits im Zusammenhang mit anderen Strategien oder Aktivitäten des Landes bearbeitet werden und daher hier nicht mit betrachtet werden müssen (z.B. Klimawandel). Insbesondere die Fachthemen wurden aufgrund von Aktualität ausgewählt und können bei Bedarf erweitert werden.

Aktuell wurden sieben Handlungsfelder ausgewählt:

Bisher wurden im Rahmen des Masterplans folgende Produkte erarbeitet bzw. entwickelt:

sowie folgende Veranstaltungen durchgeführt:

Aktuell wird die Dialogreihe „Zielkonflikte in innerstädtischen Quartieren aus Sicht des Immissionsschutzes“ durchgeführt. Besonders in innerstädtischen Gebieten rücken die verschiedenen Funktionen Wohnen, Arbeiten und Freizeit immer näher aneinander. Die Ziele und Interessenlagen sind dabei sehr unterschiedlich. In der Dialogreihe werden der Umgang mit daraus entstehenden Konflikten anhand der Schwerpunkte Lärm (Freizeit-, Sport-, Gewerbelärm) und Anlagensicherheit (Abstände zwischen Industrie/ Störfallbetriebsbereichen und Wohnen) thematisiert. Gemeinsam werden mit Vertreterinnen und Vertretern aus Kommunen, Wirtschaft und Wissenschaft Handlungsansätze erarbeitet.

Durch die verschiedenen am Masterplan beteiligten Akteure liegt ein großer Wissens- und Erfahrungsschatz vor, der Sensibilität für neue Themen bzw. Handlungsnotwendigkeiten schafft. Der Masterplan soll als ein Radar fungieren, mit dem Handlungserfordernisse frühzeitig identifiziert werden und somit in Zukunft vorausschauender, präventiv agiert werden kann. Der Masterplan ist dabei als langfristiger offener, lernender Prozess angelegt.

Weitere Informationen: